Bund der Antifaschisten Köpenick

SA-Lokal „Demuth“

Im Schuppen, dem sogenannten „Heuboden", des SA-Lokals „Demuth“ in der Elisabethstr 23 (heute Pohlestr. 13) in der Köpenicker Kietzer Vorstadt wurden u. a. folgende Personen von SA-Leuten „verhört“ und teilweise bestialisch mißhandelt: Franz Bollfraß, Gustav Brose, Dr. Georg Eppenstein, Leonard Esser, Paul Fettke, Herta Gley, Erich Haverland, Werner Heber, Franz Keller, Bernhard Klappert, Artur Klepzig, Paul Küster, Alfred Kuschke, Bruno Lobitz, Walter Majchrzak, Dr. Meier, Karl Mönch, Georg Nusche, Hedwig Nusche, Karl Pischel, Kurt Pohle, Paul Pohle, Karl Pokern, Alfred Pusch, Erich Radke, Fritz Rebel, Rohrbeck, Karl Schöppe, Josef Spitzer, Paul Spitzer, Paul Wilczoch, Otto Zimmermann, Paul Zimmermann.

Franz Bollfraß erinnerte sich an seine Erlebnisse am 21.6.1933 im SA-Lokal „Demuth“:

„Im Sturmlokal Demuth wurden wir mit Johlen und Brüllen empfangen und erhielten sogleich die ersten Schläge. Mit den Worten: ‚Heute rechnen wir mit euch Kommunistenschweinen ab‘, ging es durch das Lokal zum Hof und dann mit Schlägen und Fußtritten die Holztreppe zum Heuboden hinauf.

Hier saß ein SA-Scharführer und nahm die ‚Personalien‘ auf. Sofort war auch einer da, der sich mit meinen Haaren beschäftigte und der Meinung war, sie wären zu lang und müßten geschnitten werden. Ich glaube, ein Tier behandelt man anders, als ich jetzt behandelt wurde. Mir wurden mit einem Gegenstand, es soll eine Schere gewesen sein, die Haare ausgerissen, so daß das Blut auf mein Gesicht und mein Hemd rann, Einmal versuchte ich das Blut abzuwischen, worauf ich von einem SA-Mann einen Schlage erhielt, daß ich sofort umfiel. ...“

An den Folgen der Folter durch die SA-Leute im Sturmlokal Demuth starben Walter Majchrzack, Fritz Ott, Paul Pohle, Karl Pokern, Josef Spitzer und Paul Spitzer, Paul Wilczoch und Alfred Pusch. Karl Pokern wurde durch Mißhandlungen entsetzlich zugerichtet und im Amtsgerichtsgefängnis erschossen.

Frau Wilczoch über die Folgen der Folter an ihrem Mann, Paul Wilczoch:

„Nach drei Tagen und zwei Nächten kam mein Mann nachts zurück. Als ich ihn sah, fiel ich vor Schreck fast um. Er war entsetzlich zugerichtet. Die Haare waren herausgeschnitten oder gerissen, und er war mit Heftpflaster verklebt. Mit brennenden Fackeln hatte man ihn ins Gesicht geschlagen. Er konnte noch sprechen und erzählte mir, daß man ihm heißen Teer auf die Wunden gegossen habe ...

Und als er über Durst klagte, hat man ihm Karbolineum (Imprägnierungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel) zu trinken gegeben. Schon als ich meinen Mann ins Krankenhaus brachte, war mir vom Arzt gesagt worden, daß Lebensgefahr bestand. Er hatte schon hohes Fieber. Mein Mann hatte mich nicht zum Arzt gehen lassen, weil die SA gedroht hatte, daß sie dies verhindern würde. Mein Mann hat im Krankenhaus in einer Wanne mit Borwasser gelegen. Er hat furchtbarste Schmerzen ausgehalten und geschrien, wenn nur jemand an ihn herankam. Man durfte ihn nicht mehr anfassen. Sogar das Pflegepersonal hat vor Mitleid geweint. Ein bis zwei Tage vor seinem Tod war er größtenteils bewußtlos. Seine inneren Organe waren völlig verletzt. Er ist dann am 30. Juni 1933 gestorben.“

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