Bund der Antifaschisten Köpenick

SA-Heim „Wendenschloß“

Das ehemalige Bootshaus des Reichsbanners in Berlin-Köpenick, Wendenschloßstr. 122, war von dem Sturmführer der SA Reinhold Heinz mit seinem Sturm am 2. Wahlsonntag im März demoliert und einige Tage später besetzt worden. In den Räumlichkeiten richtete die SA ihr Sturmlokal „Wendenschloß“ ein. Auf dem Grundstück wurden während der Terroraktion der SA etwa hundert Verhaftete festgehalten und teilweise unter Folter verhört. Zu ihnen gehörten Karl Anders, Walter Bauer, Max Kutschenreiter, Paul Majchrczack und Ehefrau, Emma Naumann, Herr Naumann, Ernst Ordnung, Fritz Rasch und Paul Ufermann.

Karl Anders über sein Erlebnis im ehemaligen Reichsbannerheim:

„Wir sind hingeführt worden zu einem Bootshaus an der Dahme. Wir waren ungefähr zehn Leute, von irgendwoher haben die die aufgetrieben, Kommunisten, Sozialdemokraten, aber auch Stahlhelm-Leute. An diesem Bootshaus waren versammelt ungefähr hundert Leute. Es war heiß, nirgendwo konnte man sitzen außer auf der Erde. Nun setzte ich mich nicht , weil ich so einen schönen Anzug anhatte, und ein SA-Mann holte mir einen Stuhl. Ich war der einzige, der auf einem Stuhl saß. Es passierte wenig, es wurden immer einzelne herausgeholt, verhört. Dann kam ein Mann zurück, und der blutete aus dem Mund (man hatte ihm die Zähne eingeschlagen) und an den Knien. Und ein SA-Mann stand neben mir und hielt Wache. Den habe ich angebrüllt, habe gesagt, sehen Sie nicht, der Mann braucht ein Glas Wasser zumindestens, was haben sie mit dem angerichtet. Ich habe mich irrsinnig benommen. Als Mittag kam, habe ich mein Brot geteilt, meine Frau saß irgendwo ganz hinten, die habe ich nie sprechen können. Und dann habe ich mit dem, den sie mißhandelt hatten, mein Brot geteilt, in Gegenwart des SA-Mannes ganz offensichtlich solidarisch mich gegeben, das war ein Jude.“

Am Bootshaus in der Wendenschloßstraße wurden in der Nacht vom 22. Zum 23. Juni 1933 bestialisch ermordete Opfer der Blutwoche in Leinensäcken verborgen auf Boote verladen und in der Dahme versankt. Insgesamt hat man später 3 Leichen gezählt, die die SA auf diese Weise verschwinden lasssen wollte. Anfang Juli wurden die Säcke an Land geschwemmt.

An dieser Stelle fand man die entsetzlich zugerichteten Leichname von Johannes Stelling, Paul von Essen und Karl Pokern. Sie waren nach kaum zu beschreibenden Mißhandlungen am 22. Juni im Amtsgerichtsgefängnis erschossen worden.

Köpenicker die im SA-Heim „Wendenschloß“ gefoltert wurden: Karl Anders, Walter Bauer, Max Kutschenreiter, Emma Naumann, Ernst Ordnung, Fritz Rasch, Paul Ufermann

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