Bund der Antifaschisten Köpenick

Amtsgerichtsgefängnis Köpenick

Ein Teil der verhafteten und in den Sturmlokalen mißhandelten Personen wurde ins Amtsgerichtsgefängnis verschleppt, wo die SA die Folterungen in gesteigerter Form fortsetzte und einige politische Gegner wie Paul von Essen, Karl Pokern und Johannes Stelling ermordete.

Aus dem Urteil „Plönzke u. a.“ von 1950 über die Vorgänge im Amtsgerichtsgefängnis:

„Sie wurden in kurzen Abständen, teilweise alle 5 bis 10 Minuten, ais den Zellen herausgeholt und auf den Gängen, insbesondere aber in dem sogenannten Betsaal des Gefängnisses mit Stöcken völlig zusammengeschlagen. Die Mißhandlungen führten auch hier dazu, daß die Antifaschisten bis zur völligen Bewegungsunfähigkeit und Bewußtlosigkeit geschlagen wurden. Verhaftete jüdische Mitbürger mußten sich entblößen, um untersucht zu werden, ob sie ‚arisch‘ oder ‚nichtarisch‘ wären, sie wurden dann in grausamer Weise auf die Geschlechtsteile geschlagen. Den festgenommenen Antifaschisten wurden die Kopfhaare mit Taschenmessern abgeschnitten, z. T. wurde dies in der Weise gemacht, daß Haarbüschel in Form des Hakenkreuzes auf dem Kopf stehen gelassen wurden. Mit Mennige hat man den Mißhandelten auf den blutig geschlagenen Kopf das Hakenkreuz gemalt. Zahlreichen Opfern wurden Hoden und Nasen abgeschnitten. Die Folterungen waren derart, daß in dem Betsaal Fleisch und Gehirnteile lagen und große Blutlachen waren, die aus der Tür des Betsaales herausliefen ...

Zur Reinigung der Gänge und Treppen, die voller Blut waren, wurde die Frau von Johannes Schmaus, die selbst mißhandelt worden war und an ihrer Kleidung Blutspuren zeigte, von den SA-Leuten gezwungen. Der Zeuge Brose und der Zeuge Kuschke mußten den Betsaal reinigen, aus dem sie dort herumliegende Fleisch- und Gehirnteile, Blut und abgeschnittene Haare entfernen mußten. Die Zeugen berichteten, daß der Betsaal einen kaum vorstellbaren Zustand grausamer Folterungen gezeigt habe, die Wände mit Blut bespritzt gewesen seien und die Reinigung von angetrocknetem Blut nur mit Scheuersand möglich war. In dem Betsaal mußten zahlreiche Antifaschisten militärische Übungen ausführen, Herummarschieren und das Deutschlandlied dabei singen. Hierbei wurden sie mit Stöcken und Ruten mißhandelt.“

Weitere Opfer der SA, die ins Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert und dort mißhandelt wurden, waren: Willi Pätzel, Erich Warmuth, Albert Schilling, Franz Keller, Herr Schönfeld, Willi Patermann

Martha Eppenstein setzte sich mutig für ihren jüdischen Ehemann, Dr. Georg Eppenstein, ein und erwirkte bei dem Standartenführer Gehrke sogar die Freilassung ihres schon vom Tode gekennzeichneten Mannes aus dem Amtsgerichtsgefängnis:

„Ich erschrak, als ich ihn sah. Er war nicht wiederzuerkennen. Die Brille war weg, die Augen, der Kopf zerschlagen, das Nasenbein zertrümmert. Das ganze Gesicht war schwarz. Mein Mann konnte weder sehen noch hören. Offensichtlich war davon auch Gehrke beeindruckt, denn er sagte mir: ‚Na, fahren Sie Ihren Mann nach Hause.‘

Zu Hause habe ich sofort einen Arzt herbeigerufen, und der schüttelte den Kopf und sagte mir nach der Untersuchung, daß mein Mann sofort ins Krankenhaus müsse. Dies geschah. Dort blieb mein Mann einige Tage mit den furchtbarsten Schmerzen. Dann habe ich ihn wieder nach Hause geholt. Er hat aber immer liegen müssen. ... und verstarb dann in der Nacht zum 3. August 1933.“

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