Bund der Antifaschisten Köpenick

Maria Jankowski

Maria Jankowski wurde am 11. Mai 1887 in einem kleinen Ort in Schlesien geboren. Wie so viele „Mädchen vom Lande“ kam sie zusammen mit ihrer Schwester noch vor dem 1. Weltkrieg nach Berlin und ging hier in „Stellung“. Hier in Köpenick lernte sie ihren ersten Ehemann, einen Schneidermeister kennen, mit dem sie drei Kinder hatte. Die großen Anstrengungen, diese Familie, drei Kinder über den Weltkrieg von 1914 bis 1918 zu bringen, war für Maria eine harte, aber lehrreiche Schule.

Eine Konsequenz für Maria war, dass sie 1919 in die SPD eintrat und begann, sich um Fragen der Sozialpolitik zu kümmern. Schon 1921 wurde sie zusammen mit drei Männern zum unbesoldeten Mitglied des Bezirksamtes Köpenick gewählt und wirkte bis 1924 als unbesoldete Stadträtin. In diesem Jahr starb ihr Ehemann mit 46 Jahren und sie stand mit ihren drei Kindern allein da.

Aber Maria gab nicht auf. Sie wurde wiederum in die Bezirksversammlung gewählt und arbeitete als Stellvertreterin des Vorstehers des Wohlfahrts- und Jugendausschusses, war Mitglied der Wohlfahrtsdeputation und des Verwaltungsausschusses des Bezirksjugendamtes. Das war zu keiner Zeit bloße Schreibtischarbeit. In der Mitte der zwanziger Jahre traf man Maria mit arbeitslosen Frauen bei Dampferfahrten, in der Nähstube in der Grünauer Straße, bei Wanderungen mit jungen Leuten im Odertal und bei Zusammenkünften mit jungen Arbeitslosen. So wuchs sie auch in die Parteiarbeit, sie wurde Kreisleiterin für die Köpenicker SPD-Frauen – 1927 immerhin 412 Frauen – und wurde 1931 als Delegierte zum SPD-Parteitag gewählt.

Verkraften konnte sie letztlich diese Riesenarbeit nur dadurch, dass sie 1926 erneut heiratete und in dem Schneidermeister Jankowski einen verständnisvollen Kameraden für ihre Arbeit gefunden hatte.

Trotz der Errichtung des Hitlerregimes im Januar 1933 kandidierte Maria Jankowski für die SPD zu den Bezirksverordnetenwahlen in Köpenick im März. Sie und fünf weitere SPD-Mitglieder wurden gewählt. Gemeinsam mit der kommunistischen Bezirksverordneten Liddy Kilian waren sie jetzt die einzigen Frauen im Bezirksparlament, das von 13 Vertretern der Nazipartei dominiert wurde.

Antreten konnte M. Jankowski diese Funktion nicht mehr. Bei der ersten Sitzung lag sie schon, von einem SA-Kommando zusammengeschlagen, im Krankenhaus. Sie war im SA-Sturmlokal Demuth in der Elisabethstraße geschlagen und gefoltert worden, um sie zu zwingen, aus der SPD auszutreten und den Nazis Mitgliederlisten der SPD zu übergeben – sie wollten ihr hohes Ansehen in Köpenick zunichte machen. Schließlich sollte Maria auch deshalb mundtot gemacht werden, weil sie über ihre zahlreichen Verbindungen in Erfahrung gebracht hatte, dass Köpenicks SA-Leute bei der Reichstagsbrandprovokation aktiv mitgewirkt hatten.

Wer jedoch geglaubt hatte, dass Maria Jankowski vor Angst vergehen würde, kannte diese Frau nicht. Sie ging zur Polizei und erstattete auf dem 234. Polizeirevier offiziell Anzeige gegen die SA-Folterknechte, u.a. gegen den SA-Sturmführer Scharsich. Sie brachte auch den Mut auf, ihren zerschlagenen Körper fotografieren zu lassen und so entstanden Bilder, die in der Presse und im „Braunbuch“ über die Reichstagsbrandprovokation um die Welt gingen und so das faschistische Terrorregime bloßstellten.

Maria Jankowski war aber auch politisch erfahren genug, um in der Millionenstadt Berlin unterzutauchen. So konnte sie das Naziregime überleben. Nach der Befreiung wurde sie sofort Mitglied der SPD, stieg aktiv in die Frauenarbeit ein und half mit, die Spaltung der Arbeiterparteien in Berlin zu überwinden. 1946 kam sie bei einem Unfall ums Leben.

Vorname: Maria
Nachname: Jankowski
geboren: 11. Mai 1887
Beruf: Bezirksverordnete in Berlin-Köpenick
Parteien und Organisationen in denen Maria Jankowski aktiv war: SPD

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