21. Juni 2021 | Gedenkkundgebung in Erinnerung an die Opfer der „Köpenicker Blutwoche“

Richard Aßmann | Dr. Georg Eppenstein | Paul von Essen |Hugo Helbing | Erich Janitzky | Götz Kilian |Karl Lange | Lehmann | Walter Majchrzak | Rudolf Mastaleck | Fritz Otto | Paul Pohle | Karl Pokern | Alfred Pusch | Paul Röhrens | Anton Schmaus | Johann Schmaus |Josef Spitzer | Paul Spitzer | Johannes Stelling | Franz Wätzow | Franz Wilczoch

VVN-BdA Köpenick e.V.

Im Juni 1933, wenige Monate nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, waren Köpenicker SA-Männer in grausamer Weise gegen ihre politischen Gegner vorgegangen. Hunderte Sozialdemokrat:innen, Kommunist:innen, Gewerkschafter:innen und andere wurden in den Nazi-Schlägerlokalen furchtbar misshandelt. Auch die ersten jüdischen Bürger wurden verschleppt. Mindestens 23 namentlich bekannte Opfer wurden zu Tode gequält, erschossen oder starben an den Folgen der Folter. Dieser SA-Terror, der vom 21. bis 26. Juni 1933 andauerte, ist als „Köpenicker Blutwoche“ in die Geschichte eingegangen. Verängstigt, wie gelähmt sahen viele Köpenicker:innen tatenlos zu. Viele applaudierten aber auch dem Nazi-Regime. Es war ein Terror auf offener Straße und in aller Öffentlichkeit. 88 Jahre nach den Ereignissen wollen wir an die Opfer erinnern und ein Zeichen setzen gegen Neonazismus und gegen rechte Hetze von heute, gegen Antisemitismus und Rassismus.

21. Juni 2021 | Gedenkkundgebung | 17 Uhr | Platz des 23. April | Tramhaltestelle Bahnhofstraße/ Lindenstraße

Es spricht Dr. Christoph Kreutzmüller | Vorsitzender des Vereins Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e. V.

Musik von Karsten Troyke | https://karsten-troyke.de/

Bitte beachtet die geltenden Hygienevorschriften.

Auch Straßennamen, Gedenktafeln und Gedenksteine in den Köpenicker Ortsteilen erinnern an den großflächigen Terror der Nazis im Juni 1933. Wir bitten alle Mitglieder und Freund:innen dort selbstständig Blumen nieder zu legen:

  • Pohlestraße, Ecke Dorotheenstraße (ehemals SA-Lokal „Demuth“)
  • Wendenschloßstraße 390 (ehemals SA-Wassersportheim)
  • Köpenick Nord, Stelen unter den Birken und am Essenplatz (ehemals SA-Lokal „Seidler“)
  • Friedrichshagen: Tafel Richard Assmann (Assmannstr. 46), Friedhof Grab Karl Pokern, Tafel Müggelseedamm 132
  • Freiheit 14 und Dammbrücke: Tafel am Gemeindehaus der Evangelisch-reformierten Schloßkirche und an der Dammbrücke zur Erinnerung an das mutige Handeln des Pfarrer-Ehepaares Ratsch
  • Oberschöneweide: Waldfriedhof, Griechische Allee
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23. April 1945 – 23. April 2021 | 76 Jahre Befreiung von Köpenick

Wer nicht feiert, hat verloren!

Gedenkkkundgebung an der „Faust“

Am 23. April 1945 befreiten Einheiten der 8. Gardearmee und der 1. Gardepanzerarmee unter ihrem Oberbefehlshaber Wassili Iwanowitsch Tschuikow den Stadtteil Köpenick vom deutschen Faschismus – für uns ein Grund zum Feiern, aber auch Anlass zum stillen Gedenken an die zahllosen Opfer des NS-Terrors. Ganz Europa war verwüstet worden. Millionen Tote forderte der Krieg der Deutschen. In den Konzentrationslagern wurden Millionen Menschen – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politische Gegner:innen, Soldat:innen der Anti-Hitler-Koalition und andere – ermordet. In verlustreichen Kämpfen brachten die Alliierten und die Widerstandskämpfer:innen der Résistance den Krieg an seinen Ausgangsort zurück und zerschlugen die deutsche Wehrmacht. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Nazi-Deutschland endgültig.

Heute torpedieren AfD & Co. die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten – durch verharmlosen, durch gleichsetzen. Die Corona-Leugner:innen provozieren durch unsägliche Diktaturvergleiche und verunglimpfen die Ermordeten des NS-Regimes, indem sie sich mit Anne Frank oder Sophie Scholl gleichsetzen. Sie nutzen die Pandemie aus, um die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben. Sie schreien nach „Freiheit“, beweisen aber nur ihren egoistischen Willen, sich über die Rechte anderer zu erheben.

Befreiung feiern, bedeutet daher auch, den antifaschistischen Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Verschwörungsglauben, LGBTIQ*-Feindlichkeit aufzunehmen. Wir streiten gemeinsam für ein solidarisches Miteinander und für die unteilbare Gesellschaft!

Und auch in diesem Jahr bleibt die Forderung aktuell: Der 8. Mai soll gesetzlicher Feiertag werden! Jedes Jahr! In Berlin und bundesweit!

23. April 2021 | Gedenkkundgebung

17 Uhr | Platz des 23. April (an der „Faust“) | Tramhaltestelle Bahnhofstraße/Lindenstraße

Bitte beachtet die Hygienevorschriften im Zusammenhang mit der Pandemie.

Hinweis: Denkt bitte daran, dass sich am Rand des Platzes die an die Befreiung Köpenicks erinnernde Gedenktafel befindet, an der ebenso Blumen niedergelegt werden können.

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Kein Business mit dem Leid von NS-Opfern

Auf Ebay hat ein Brandenburger Händler zwischenzeitlich eine mutmaßlich gestohlene Gedenktafel aus Treptow-Köpenick zum Kauf angeboten. Darauf wurde DIE LINKE. Treptow-Köpenick aufmerksam gemacht, die sich an die VVN-BdA Köpenick gewandt hatte.

Die Tafel, um die es sich hier vermutlich handelt, war zu DDR-Zeiten an der Wendenschloßstraße 390 im Ortsteil Wendenschloß angebracht. Hier befand sich das Wassersportheim des sozialdemokratischen Reichsbanner, das ein SA-Sturm nach der NS-Machtübernahme im März 1933 besetzt und geplündert hatte. Während der „Köpenicker Blutwoche im Juni 1933 wurden hier wie an anderen Orten Menschen festgehalten und misshandelt. Die „Köpenicker Blutwoche“ stellte einen Höhepunkt des frühen SA-Terrors in Berlin dar. Mehrere hundert SA-Männer verschleppten und folterten bis zu 500 politisch Missliebige, Jüdinnen und Juden, mindestens 23 Menschen starben. Anlass für die gezielten Verhaftungen boten das reichsweite Verbot des „Deutschnationalen Kampfrings“ und der SPD. Von dem Wasserzugang des Grundstücks aus wurden die Leichen der Ermordeten in Säcke verschnürt und in die Dahme geworfen. Manche Opfer wurden erst Wochen später im Wasser entdeckt und geborgen.

1983 wurde an diesem Ort eine Gedenktafel angebracht, die folgende Aufschrift enthielt:

UNVERGESSEN

SIND DIE AUFRECHTEN KÄMPFER

GEGEN DEN FASCHISMUS,

DIE IN DER KÖPENICKER BLUTWOCHE

IM JUNI 1933 AUF DIESEM GRUNDSTÜCK

GRAUSAM MISSHANDELT, ERMORDET

UND IN DIE DAHME VERSENKT WURDEN.

Siehe auch: https://www.gedenktafeln-in-berlin.de/nc/gedenktafeln/gedenktafel-anzeige/tid/koepenicker-blutwoch-5/

Eben jene Tafel ist im September 1990 von Unbekannten entwendet worden und tauchte nun – 30 Jahr später – im Internet auf. Dort wurde mutmaßlich die Jahrzehnte vermisste Tafel zum Kaufpreis von 1150 Euro angeboten. Offenbar nach der öffentlichen Aufregung und nachdem das Bezirksamt Treptow-Köpenick informiert worden war, verschwand das Kaufangebot wieder.

“Der Versuch mit einer entwendeten Gedenktafel, die an die Leiden der Opfer des Nationalsozialismus erinnert, Geschäfte zu machen, ist nicht nur scheußlich, sondern vermutlich auch strafbar,” kommentiert Philipp Wohlfeil, Vorsitzender der BVV-Fraktion DIE LINKE. VVN-BdA und DIE LINKE fordern Aufklärung, ob es sich bei dem angestrebten Absatz fremden Vermögens um eine rechtswidrige Tat gemäß § 259 Hehlerei Strafgesetzbuch (StGB) handelt, und verlangen die Rückgabe der Tafel an den Bezirk beziehungsweise die Museen Treptow-Köpenick

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Broschüre „30 Jahre VVN-BdA Köpenick 1990-2020“

Vor inzwischen 30 Jahren gründete sich der Bund der Antifaschisten Köpenick (BdA). Im Jahr 2006 entstand durch Fusion mit der Interessengemeinschaft ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (IG VdN) die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Köpenick (VVN-BdA), die sich später einen geschlechtergerechteren Namen gab, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, den sie bis heute trägt.

In der soeben erschienenen Broschüre „30 Jahre VVN-BdA Köpenick 1990-2020“ [PDF] lassen wir die bewegte Geschichte unserer kleinen Vereinigung seit ihrer Gründung im Jahr 1990 Revue passieren und erinnern unserer verstorbenen Kamerad:innen, die sich mit all ihrer Kraft für eine lebendige antifaschistische Gedenkkultur im Bezirk eingesetzt haben. Gleichzeitig soll die Broschüre auch in die Zukunft weisen, denn gemeinsam mit unseren vielen neuen Mitgliedern möchten wir auch in den kommenden Jahren für ein würdiges Gedenken an die Opfer des Naziregimes streiten.

Hier kann man in der Broschüre [PDF] blättern und lesen.

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Gedenken zum 82. Jahrestag der November-Pogrome 1938


Kein Vergeben – Kein Vergessen! Gegen jeden Antisemitismus!

Sonntag, 8. November 2020
15 Uhr | Schloßplatz Köpenick

Stadtrundgang: Jüdisches Leben in der Köpenicker Altstadt mit Gerd Lüdersdorf, Autor des Buches „Es war ihr Zuhause. Juden in Köpenick“, und Gedenken an der Tafel für die ehemalige Synagoge

ACHTUNG: Aufgrund der COVID-19-Pandemie gilt es auf allen Veranstaltungen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten!

Weitere Veranstaltungen:

FÄLLT AUS! 8. November | 11.00 Uhr | Rathaussaal Treptow (Neue Krugallee 4):

Matinee des BdA Treptow mit Anetta Kahane, Amadeu Antonio Stiftung
Musik: Roman Shamov

9. November | 18.30 Uhr | Mahnmal Levetzowstraße:

Kundgebung der Berliner VVN-BdA
Weitere Informationen unter: www.9november.blogsport.eu

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Broschüre „Pfadfinder“ jetzt online

Die Broschüre „Pfadfinder – Wegweiser für antifaschistische Stadtrundgänge durch Köpenick und Umgebung“ (vierte, überarbeitete Auflage, 2007) ist jetzt online einsehbar.

Im Vorwort heißt es:

„Wir sehen als VVN – Bund der Antifaschisten eine unserer Aufgaben darin, den Nachgeborenen die Größe dieses Denkmals, die Vielzahl der unterschiedlichsten Mosaiksteinchen, aus denen es zusammengesetzt ist, nahe zu bringen. So wie die Antifaschisten in den Jahren 1933 bis 1945 bemüht waren, mit vielen aufrechten Menschen aus allen Bevölkerungsschichten die Auseinandersetzungen mit dem Naziregime zu führen und dem antifaschistischen Kampf einen breiten öffentlichen,
demokratischen Charakter zu verleihen, wollen wir mit unseren „Rundgängen“ helfen, wichtige Ereignisse, Haltungen und Leistungen von Personen bzw. ihre Parteien und Organisationen nacherlebbar zu machen. Dieses wird noch intensiver durch die lokale Nähe.“

Download als PDF [hier].

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Neuauflage der Broschüre „Die Blutwoche von Köpenick

Im Juni 1933, wenige Monate nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, waren Köpenicker SA-Männer in grausamer Weise gegen ihre politischen Gegner vorgegangen. Hunderte Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und andere wurden in den Nazi-Schlägerlokalen furchtbar misshandelt.
Auch die ersten jüdischen Bürger wurden verschleppt. Mindestens 23 namentlich bekannte Opfer wurden zu Tode gequält, erschossen oder starben an den Folgen
der Folter. Dieser SA-Terror, der vom 21. bis 26. Juni 1933 andauerte, ist als „Köpenicker Blutwoche“ in die Geschichte eingegangen. Verängstigt, wie gelähmt sahen viele Köpenickerinnen und Köpenicker zu, tatenlos. Viele applaudierten aber auch dem sich gerade konsolidierenden Nazi-Regime.

1950 fand am Berliner Landgericht der „Prozess gegen Plönzke und andere wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit (Köpenicker Blutwoche)” statt. Rudolf Hirsch nahm an diesem Prozess als Gerichtsreporter der „Täglichen Rundschau” teil. Als Jude und Kommunist war Hirsch von den Nazis doppelt gehasst und durch ganz Europa gehetzt worden. Mit diesen persönlichen Erfahrungen fühlte er sich verpflichtet, den Mut und das Leid seiner tapferen Genossen darzustellen und die Verbrechen der Nazis entlarven zu helfen.

Zum Download der Broschüre geht’s [hier].

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21. Juni 2020 | Erinnerung an die Opfer der „Köpenicker Blutwoche“

Im Juni 1933, wenige Monate nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, waren Köpenicker SA-Männer in grausamer Weise gegen ihre politischen Gegner vorgegangen. Hunderte Sozialdemokrat*innen, Kommunist*innen, Gewerkschafter*innen und andere wurden in den Nazi-Schlägerlokalen furchtbar misshandelt. Auch die ersten jüdischen Bürger wurden verschleppt. Mindestens 23 namentlich bekannte Opfer wurden zu Tode gequält, erschossen oder starben an den Folgen der Folter.

Todesopfer der Köpenicker Blutwoche:
Richard Aßmann Dr. Georg Eppenstein
Paul von Essen              Hugo Helbing
Erich Janitzky                Götz Kilian
Karl Lange                     Lehmann
Walter Majchrzak  Rudolf Mastaleck
Fritz Otto                      Paul Pohle
Karl Pokern          Alfred Pusch
Paul Röhrens                 Anton Schmaus
Johann Schmaus            Josef Spitzer
Paul Spitzer       Johannes Stelling
Franz Wätzow           Franz Wilczoch

Dieser SA-Terror, der vom 21. bis 26. Juni 1933 andauerte, ist als „Köpenicker Blutwoche“ in die Geschichte eingegangen. Verängstigt, wie gelähmt sahen viele Köpenicker*innen tatenlos zu. Viele applaudierten aber auch dem Nazi-Regime.
87 Jahre nach den Ereignissen wollen wir an die Opfer erinnern und ein Zeichen setzen gegen Neonazismus und gegen rechte Hetze von heute.

21. Juni 2020
Stilles Gedenken
12-18 Uhr :: Platz des 23. April :: Tramhaltestelle Bahnhofstraße/Lindenstraße

Auch Straßennamen, Gedenktafeln und Gedenksteine in den Köpenicker Ortsteilen erinnern an den großflächigen Terror der Nazis im Juni 1933. Wir bitten alle Mitglieder und Freund*innen dort selbstständig Blumen nieder zu legen:

  • Pohlestraße, Ecke Dorotheenstraße (ehemals SA-Lokal „Demuth“)
  • Wendenschloßstraße 390 (ehemals SA-Wassersportheim)
  • Köpenick Nord, Stelen unter den Birken und am Essenplatz (ehemals SA-Lokal „Seidler“)
  • Friedrichshagen: Tafel Richard Assmann (Assmannstr. 46), Friedhof Grab Karl Pokern, Tafel Müggelseedamm 132
  • Freiheit 14 und Dammbrücke: Tafel am Gemeindehaus der Evangelisch-reformierten Schloßkirche und an der Dammbrücke zur Erinnerung an das mutige Handeln des Pfarrer-Ehepaares Ratsch
  • Oberschöneweide: Waldfriedhof, Griechische Allee

Aus Anlass des Jahrestages möchten wir auf unsere Neuauflage der Broschüre „Die Blutwoche von Köpenick“ hinweisen, in der die Artikel des Schriftstellers und Journalisten Rudolf Hirsch gesammelt sind. Rudolf Hirsch nahm 1950 an dem Gerichtsprozess als Gerichtsreporter der „Täglichen Rundschau” teil.

Der Vorstand

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23. April 1945 – 2020 | 75 Jahre Befreiung von Köpenick durch die Rote Armee

Gedenken trotz Corona

Wir rufen alle Antifaschist*innen zum individuellen Gedenken am Platz des 23. April auf.

Am 23. April 1945 befreiten Einheiten der 8. Gardearmee und der 1. Gardepanzerarmee W. I. Tschuikows den Stadtteil Köpenick vom deutschen Faschismus – für uns ein Grund zum Feiern, aber auch Anlass zum stillen Gedenken an die vielen Opfer des NS-Terrors. Ganz Europa war verwüstet worden. Millionen Tote forderte der Krieg der Deutschen. In den Konzentrationslagern wurden Millionen Menschen – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politische Gegner*innen, Soldat*innen der Anti-Hitler-Koalition und unzählige andere – ermordet. In verlustreichen Kämpfen brachten die Alliierten und Widerstandskämpfer*innen der Résistance den Krieg an seinen Ausgangsort zurück und zerschlugen die Wehrmacht. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Nazi-Deutschland endgültig.

Heute torpedieren AfD & Co. die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten – durch verharmlosen, durch gleichsetzen. Die Zeit zwischen 1933 und 1945 sei nur ein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte gewesen. Rechtsterroristen morden sich durch das Land, wie Kassel, Halle und Hanau zeigen. Gleichzeitig wird der VVN-BdA die Gemeinnützigkeit entzogen. Befreiung feiern, bedeutet daher auch, den antifaschistischen Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, LGBTIQ*-Feindlichkeit und für eine solidarische Gesellschaft aufzunehmen.

Aufgrund der Corona-Pandemie können Gedenkveranstaltungen nicht ohne weiteres durchgeführt werden. Daher rufen wir alle Antifaschist*innen auf, am 23. April Blumen, Kränze, Botschaften oder Schilder an dem Mahnmal auf dem Platz des 23. April abzulegen. Auch am 8. Mai können Spaziergänge zu den Denkmalen für Opfer des Faschismus führen.

Macht Fotos, schickt sie uns oder teilt sie in den sozialen Medien.

#75befreiung #TagderBefeiung #8mai #achtermai #Feiertag #Antifaschismus #vvnbda #vvnbdaberlin

23. April 2020

Stilles Gedenken :: Ganztägig :: Platz des 23. April :: Tramhaltestelle Bahnhofstraße/Lindenstraße

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9. November 2019 – 81 Jahre nach der Pogromnacht

Kein Vergeben – Kein Vergessen! Gegen jeden Antisemitismus!

Gedenken am Samstag, 9. November 2019 14 Uhr Vor der ehemaligen Köpenicker Synagoge (Freiheit 8, 12555 Berlin)

Während des Pogroms im November 1938 wurde die Synagoge in der Köpenicker Altstadt von SA-Angehörigen verwüstet, geplündert und in Brand gesetzt, Trümmerteile wurden zur Dahme geschleppt und dort versenkt. Bald danach kam das Ende der jüdischen Gemeinde in Köpenick. Etwa 250 bis 300 jüdische Bewohner*innen wurden in die „Lager des Ostens“ deportiert, fast alle kamen ums Leben. Die landesweite Gewalt der Pogrome vom 7. bis 13. November 1938 fand am 9. November ihren vorläufigen Höhepunkt, als deutsche Antisemit*innen mit Terror gegen die jüdische Bevölkerung vorgingen und 30.000 Juden verhafteten und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppten.

Der Antisemitismus war nach 1945 nicht aus Deutschland verschwunden, so wie diese menschenfeindliche Ideologie auch vor 1933 stark in der deutschen Bevölkerung verankert war. Am 9. Oktober 2019 versuchte ein schwerbewaffneter rechter Attentäter an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, in die Synagoge in Halle an der Saale einzudringen, um die dort anwesenden

Gemeindemitglieder zu ermorden. Durch die massive Tür und das Verbarrikadieren der Menschen im Gebäude, konnte der Täter seinen Plan nicht umsetzen. Danach erschoss er außerhalb zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer.

Dieser Anschlag war ein Schock, doch kam dieser bedauerlicherweise nicht überraschend. Und Antisemitismus ist nicht allein ein rechtes Problem, sondern tief in der sogenannten Mitte der Gesellschaft verankert. Im Juli 2019 erschien etwa in der Zeitung Der Spiegel ein großer Beitrag von sechs Autor*innen, in dem diese das Gerücht von der jüdischen Lobby verbreiteten, die die deutsche Politik beeinflusst. Nach einer gerade erst veröffentlichen Untersuchung des Jüdischen Weltkongresses, der jüdische Gemeinden und Organisationen in 100 Ländern vertritt, hegen 27 Prozent aller Deutschen antisemitische Gedanken und 41 Prozent der Deutschen sind der Meinung, Jüdinnen und Juden redeten zu viel über die Shoah. Und dies drückt sich auch in Berlin in Taten aus. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Berlin erfasste 2018 1.083 antisemitische Vorfälle in der Stadt, 14% mehr als im Vorjahr. Und auch in diesem Jahr gab es eine Reihe antisemitischer Taten in Berlin. So griffen in Berlin-Steglitz drei Täter am Abend des 18. Juni 2019 einen jüdischen Mann an und schlugen auf ihn ein, wodurch er ein Hämatom am Auge erlitt.

Der Rabbiner Yehuda Teichtal wurde am 29. Juli mit seinem Kind von zwei Tätern antisemitisch beschimpft und bespuckt, als sie aus der Synagoge kamen und auf dem Nachhauseweg waren. Vor ein paar Tagen stellte die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Beschuldigten ein. Vier Zeug*innen der Tat weigerten sich danach eine Aussage zu machen. Am Nachmittag des 13. August wurde ein jüdischer Mann in Berlin-Charlottenburg von zwei Tätern von hinten attackiert und zu Boden gestoßen. Der Betroffene wurde mit Bein- und Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. In Berlin-Friedrichshain kam es am Morgen des 9. September zu einer antisemitischen Attacke, bei der ein Angreifer einem 21-Jährigen ins Gesicht schlug, woraufhin der Betroffene eine Gesichtsverletzung erlitt.

Am Nachmittag des 4. Oktober versuchte ein Täter mit einem Messer bewaffnet in die Synagoge an der Oranienburger Straße einzudringen, scheiterte jedoch an den hohen Sicherheitsvorkehrungen. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte danach, dass keine Voraussetzungen für einen Haftbefehl vorlägen, da kein dringender Tatverdacht einer Straftat bestünde, sondern lediglich der „Anfangsverdacht eines Hausfriedensbruchs“. Ein 70-jähriger Mann wurde am Nachmittag des 28. Oktober in Berlin-Karow von einem Angreifer antisemitisch beschimpft und zusammengeschlagen und dabei am Kopf und Kinn verletzt. Der Täter ließ erst von ihm ab, als eine Passantin ihm zur Hilfe kam. Die Pressemeldung der Berliner Polizei trug danach lediglich die Überschrift: „Mann antisemitisch beleidigt“. Der Betroffene wurde bereits in der Vergangenheit von dem Angreifer mehrfach antisemitisch beschimpft.

Antisemitische Beschimpfungen, Bedrohungen und Angriffe sind Alltag für jüdische Berliner*innen. Es ist skandalös, wie wenig dagegen aus Gesellschaft und Politik unternommen wird. Erst am 30. Oktober kritisierten Organisationen wie die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee und das Jüdische Bildungswerk für Demokratie die Bundesregierung dafür, dass sie Projekte gegen Antisemitismus nicht weiter finanziert. Das Bekenntnis Antisemitismus zu bekämpfen, kann nicht nur darin bestehen an die Opfer der Shoah zu gedenken, sondern muss auch in einer praktischen Solidarität mit den von Antisemitismus Betroffenen seinen Ausdruck finden. Dafür muss jeder Form des Antisemitismus entschieden entgegengetreten werden und es muss endlich Schluss sein mit der von vielen vorgetragenen Floskel: „Wir sind ja gegen Antisemitismus, aber…“. Das Gedenken an die Pogromnacht von 1938 und der Kampf gegen den gegenwärtigen Antisemitismus gehören untrennbar mit einander verknüpft!

Wir rufen dazu auf sich im Anschluss an der zentralen Gedenkkundgebung und Demonstration

um 17 Uhr am Mahnmal Levetzowstraße in Berlin-Moabit zu beteiligen. (Aufruf: www.9november.blogsport.eu)

VVN-BdA Köpenick e.V. (Oktober 2019

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