Gedenken zum 82. Jahrestag der November-Pogrome 1938


Kein Vergeben – Kein Vergessen! Gegen jeden Antisemitismus!

Sonntag, 8. November 2020
15 Uhr | Schloßplatz Köpenick

Stadtrundgang: Jüdisches Leben in der Köpenicker Altstadt mit Gerd Lüdersdorf, Autor des Buches „Es war ihr Zuhause. Juden in Köpenick“, und Gedenken an der Tafel für die ehemalige Synagoge

ACHTUNG: Aufgrund der COVID-19-Pandemie gilt es auf allen Veranstaltungen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten!

Weitere Veranstaltungen:

FÄLLT AUS! 8. November | 11.00 Uhr | Rathaussaal Treptow (Neue Krugallee 4):

Matinee des BdA Treptow mit Anetta Kahane, Amadeu Antonio Stiftung
Musik: Roman Shamov

9. November | 18.30 Uhr | Mahnmal Levetzowstraße:

Kundgebung der Berliner VVN-BdA
Weitere Informationen unter: www.9november.blogsport.eu

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Broschüre „Pfadfinder“ jetzt online

Die Broschüre „Pfadfinder – Wegweiser für antifaschistische Stadtrundgänge durch Köpenick und Umgebung“ (vierte, überarbeitete Auflage, 2007) ist jetzt online einsehbar.

Im Vorwort heißt es:

„Wir sehen als VVN – Bund der Antifaschisten eine unserer Aufgaben darin, den Nachgeborenen die Größe dieses Denkmals, die Vielzahl der unterschiedlichsten Mosaiksteinchen, aus denen es zusammengesetzt ist, nahe zu bringen. So wie die Antifaschisten in den Jahren 1933 bis 1945 bemüht waren, mit vielen aufrechten Menschen aus allen Bevölkerungsschichten die Auseinandersetzungen mit dem Naziregime zu führen und dem antifaschistischen Kampf einen breiten öffentlichen,
demokratischen Charakter zu verleihen, wollen wir mit unseren „Rundgängen“ helfen, wichtige Ereignisse, Haltungen und Leistungen von Personen bzw. ihre Parteien und Organisationen nacherlebbar zu machen. Dieses wird noch intensiver durch die lokale Nähe.“

Download als PDF [hier].

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Neuauflage der Broschüre „Die Blutwoche von Köpenick

Im Juni 1933, wenige Monate nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, waren Köpenicker SA-Männer in grausamer Weise gegen ihre politischen Gegner vorgegangen. Hunderte Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und andere wurden in den Nazi-Schlägerlokalen furchtbar misshandelt.
Auch die ersten jüdischen Bürger wurden verschleppt. Mindestens 23 namentlich bekannte Opfer wurden zu Tode gequält, erschossen oder starben an den Folgen
der Folter. Dieser SA-Terror, der vom 21. bis 26. Juni 1933 andauerte, ist als „Köpenicker Blutwoche“ in die Geschichte eingegangen. Verängstigt, wie gelähmt sahen viele Köpenickerinnen und Köpenicker zu, tatenlos. Viele applaudierten aber auch dem sich gerade konsolidierenden Nazi-Regime.

1950 fand am Berliner Landgericht der „Prozess gegen Plönzke und andere wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit (Köpenicker Blutwoche)” statt. Rudolf Hirsch nahm an diesem Prozess als Gerichtsreporter der „Täglichen Rundschau” teil. Als Jude und Kommunist war Hirsch von den Nazis doppelt gehasst und durch ganz Europa gehetzt worden. Mit diesen persönlichen Erfahrungen fühlte er sich verpflichtet, den Mut und das Leid seiner tapferen Genossen darzustellen und die Verbrechen der Nazis entlarven zu helfen.

Zum Download der Broschüre geht’s [hier].

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21. Juni 2020 | Erinnerung an die Opfer der „Köpenicker Blutwoche“

Im Juni 1933, wenige Monate nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, waren Köpenicker SA-Männer in grausamer Weise gegen ihre politischen Gegner vorgegangen. Hunderte Sozialdemokrat*innen, Kommunist*innen, Gewerkschafter*innen und andere wurden in den Nazi-Schlägerlokalen furchtbar misshandelt. Auch die ersten jüdischen Bürger wurden verschleppt. Mindestens 23 namentlich bekannte Opfer wurden zu Tode gequält, erschossen oder starben an den Folgen der Folter.

Todesopfer der Köpenicker Blutwoche:
Richard Aßmann Dr. Georg Eppenstein
Paul von Essen              Hugo Helbing
Erich Janitzky                Götz Kilian
Karl Lange                     Lehmann
Walter Majchrzak  Rudolf Mastaleck
Fritz Otto                      Paul Pohle
Karl Pokern          Alfred Pusch
Paul Röhrens                 Anton Schmaus
Johann Schmaus            Josef Spitzer
Paul Spitzer       Johannes Stelling
Franz Wätzow           Franz Wilczoch

Dieser SA-Terror, der vom 21. bis 26. Juni 1933 andauerte, ist als „Köpenicker Blutwoche“ in die Geschichte eingegangen. Verängstigt, wie gelähmt sahen viele Köpenicker*innen tatenlos zu. Viele applaudierten aber auch dem Nazi-Regime.
87 Jahre nach den Ereignissen wollen wir an die Opfer erinnern und ein Zeichen setzen gegen Neonazismus und gegen rechte Hetze von heute.

21. Juni 2020
Stilles Gedenken
12-18 Uhr :: Platz des 23. April :: Tramhaltestelle Bahnhofstraße/Lindenstraße

Auch Straßennamen, Gedenktafeln und Gedenksteine in den Köpenicker Ortsteilen erinnern an den großflächigen Terror der Nazis im Juni 1933. Wir bitten alle Mitglieder und Freund*innen dort selbstständig Blumen nieder zu legen:

  • Pohlestraße, Ecke Dorotheenstraße (ehemals SA-Lokal „Demuth“)
  • Wendenschloßstraße 390 (ehemals SA-Wassersportheim)
  • Köpenick Nord, Stelen unter den Birken und am Essenplatz (ehemals SA-Lokal „Seidler“)
  • Friedrichshagen: Tafel Richard Assmann (Assmannstr. 46), Friedhof Grab Karl Pokern, Tafel Müggelseedamm 132
  • Freiheit 14 und Dammbrücke: Tafel am Gemeindehaus der Evangelisch-reformierten Schloßkirche und an der Dammbrücke zur Erinnerung an das mutige Handeln des Pfarrer-Ehepaares Ratsch
  • Oberschöneweide: Waldfriedhof, Griechische Allee

Aus Anlass des Jahrestages möchten wir auf unsere Neuauflage der Broschüre „Die Blutwoche von Köpenick“ hinweisen, in der die Artikel des Schriftstellers und Journalisten Rudolf Hirsch gesammelt sind. Rudolf Hirsch nahm 1950 an dem Gerichtsprozess als Gerichtsreporter der „Täglichen Rundschau” teil.

Der Vorstand

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23. April 1945 – 2020 | 75 Jahre Befreiung von Köpenick durch die Rote Armee

Gedenken trotz Corona

Wir rufen alle Antifaschist*innen zum individuellen Gedenken am Platz des 23. April auf.

Am 23. April 1945 befreiten Einheiten der 8. Gardearmee und der 1. Gardepanzerarmee W. I. Tschuikows den Stadtteil Köpenick vom deutschen Faschismus – für uns ein Grund zum Feiern, aber auch Anlass zum stillen Gedenken an die vielen Opfer des NS-Terrors. Ganz Europa war verwüstet worden. Millionen Tote forderte der Krieg der Deutschen. In den Konzentrationslagern wurden Millionen Menschen – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politische Gegner*innen, Soldat*innen der Anti-Hitler-Koalition und unzählige andere – ermordet. In verlustreichen Kämpfen brachten die Alliierten und Widerstandskämpfer*innen der Résistance den Krieg an seinen Ausgangsort zurück und zerschlugen die Wehrmacht. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Nazi-Deutschland endgültig.

Heute torpedieren AfD & Co. die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten – durch verharmlosen, durch gleichsetzen. Die Zeit zwischen 1933 und 1945 sei nur ein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte gewesen. Rechtsterroristen morden sich durch das Land, wie Kassel, Halle und Hanau zeigen. Gleichzeitig wird der VVN-BdA die Gemeinnützigkeit entzogen. Befreiung feiern, bedeutet daher auch, den antifaschistischen Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, LGBTIQ*-Feindlichkeit und für eine solidarische Gesellschaft aufzunehmen.

Aufgrund der Corona-Pandemie können Gedenkveranstaltungen nicht ohne weiteres durchgeführt werden. Daher rufen wir alle Antifaschist*innen auf, am 23. April Blumen, Kränze, Botschaften oder Schilder an dem Mahnmal auf dem Platz des 23. April abzulegen. Auch am 8. Mai können Spaziergänge zu den Denkmalen für Opfer des Faschismus führen.

Macht Fotos, schickt sie uns oder teilt sie in den sozialen Medien.

#75befreiung #TagderBefeiung #8mai #achtermai #Feiertag #Antifaschismus #vvnbda #vvnbdaberlin

23. April 2020

Stilles Gedenken :: Ganztägig :: Platz des 23. April :: Tramhaltestelle Bahnhofstraße/Lindenstraße

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9. November 2019 – 81 Jahre nach der Pogromnacht

Kein Vergeben – Kein Vergessen! Gegen jeden Antisemitismus!

Gedenken am Samstag, 9. November 2019 14 Uhr Vor der ehemaligen Köpenicker Synagoge (Freiheit 8, 12555 Berlin)

Während des Pogroms im November 1938 wurde die Synagoge in der Köpenicker Altstadt von SA-Angehörigen verwüstet, geplündert und in Brand gesetzt, Trümmerteile wurden zur Dahme geschleppt und dort versenkt. Bald danach kam das Ende der jüdischen Gemeinde in Köpenick. Etwa 250 bis 300 jüdische Bewohner*innen wurden in die „Lager des Ostens“ deportiert, fast alle kamen ums Leben. Die landesweite Gewalt der Pogrome vom 7. bis 13. November 1938 fand am 9. November ihren vorläufigen Höhepunkt, als deutsche Antisemit*innen mit Terror gegen die jüdische Bevölkerung vorgingen und 30.000 Juden verhafteten und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppten.

Der Antisemitismus war nach 1945 nicht aus Deutschland verschwunden, so wie diese menschenfeindliche Ideologie auch vor 1933 stark in der deutschen Bevölkerung verankert war. Am 9. Oktober 2019 versuchte ein schwerbewaffneter rechter Attentäter an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, in die Synagoge in Halle an der Saale einzudringen, um die dort anwesenden

Gemeindemitglieder zu ermorden. Durch die massive Tür und das Verbarrikadieren der Menschen im Gebäude, konnte der Täter seinen Plan nicht umsetzen. Danach erschoss er außerhalb zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer.

Dieser Anschlag war ein Schock, doch kam dieser bedauerlicherweise nicht überraschend. Und Antisemitismus ist nicht allein ein rechtes Problem, sondern tief in der sogenannten Mitte der Gesellschaft verankert. Im Juli 2019 erschien etwa in der Zeitung Der Spiegel ein großer Beitrag von sechs Autor*innen, in dem diese das Gerücht von der jüdischen Lobby verbreiteten, die die deutsche Politik beeinflusst. Nach einer gerade erst veröffentlichen Untersuchung des Jüdischen Weltkongresses, der jüdische Gemeinden und Organisationen in 100 Ländern vertritt, hegen 27 Prozent aller Deutschen antisemitische Gedanken und 41 Prozent der Deutschen sind der Meinung, Jüdinnen und Juden redeten zu viel über die Shoah. Und dies drückt sich auch in Berlin in Taten aus. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Berlin erfasste 2018 1.083 antisemitische Vorfälle in der Stadt, 14% mehr als im Vorjahr. Und auch in diesem Jahr gab es eine Reihe antisemitischer Taten in Berlin. So griffen in Berlin-Steglitz drei Täter am Abend des 18. Juni 2019 einen jüdischen Mann an und schlugen auf ihn ein, wodurch er ein Hämatom am Auge erlitt.

Der Rabbiner Yehuda Teichtal wurde am 29. Juli mit seinem Kind von zwei Tätern antisemitisch beschimpft und bespuckt, als sie aus der Synagoge kamen und auf dem Nachhauseweg waren. Vor ein paar Tagen stellte die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Beschuldigten ein. Vier Zeug*innen der Tat weigerten sich danach eine Aussage zu machen. Am Nachmittag des 13. August wurde ein jüdischer Mann in Berlin-Charlottenburg von zwei Tätern von hinten attackiert und zu Boden gestoßen. Der Betroffene wurde mit Bein- und Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. In Berlin-Friedrichshain kam es am Morgen des 9. September zu einer antisemitischen Attacke, bei der ein Angreifer einem 21-Jährigen ins Gesicht schlug, woraufhin der Betroffene eine Gesichtsverletzung erlitt.

Am Nachmittag des 4. Oktober versuchte ein Täter mit einem Messer bewaffnet in die Synagoge an der Oranienburger Straße einzudringen, scheiterte jedoch an den hohen Sicherheitsvorkehrungen. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte danach, dass keine Voraussetzungen für einen Haftbefehl vorlägen, da kein dringender Tatverdacht einer Straftat bestünde, sondern lediglich der „Anfangsverdacht eines Hausfriedensbruchs“. Ein 70-jähriger Mann wurde am Nachmittag des 28. Oktober in Berlin-Karow von einem Angreifer antisemitisch beschimpft und zusammengeschlagen und dabei am Kopf und Kinn verletzt. Der Täter ließ erst von ihm ab, als eine Passantin ihm zur Hilfe kam. Die Pressemeldung der Berliner Polizei trug danach lediglich die Überschrift: „Mann antisemitisch beleidigt“. Der Betroffene wurde bereits in der Vergangenheit von dem Angreifer mehrfach antisemitisch beschimpft.

Antisemitische Beschimpfungen, Bedrohungen und Angriffe sind Alltag für jüdische Berliner*innen. Es ist skandalös, wie wenig dagegen aus Gesellschaft und Politik unternommen wird. Erst am 30. Oktober kritisierten Organisationen wie die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee und das Jüdische Bildungswerk für Demokratie die Bundesregierung dafür, dass sie Projekte gegen Antisemitismus nicht weiter finanziert. Das Bekenntnis Antisemitismus zu bekämpfen, kann nicht nur darin bestehen an die Opfer der Shoah zu gedenken, sondern muss auch in einer praktischen Solidarität mit den von Antisemitismus Betroffenen seinen Ausdruck finden. Dafür muss jeder Form des Antisemitismus entschieden entgegengetreten werden und es muss endlich Schluss sein mit der von vielen vorgetragenen Floskel: „Wir sind ja gegen Antisemitismus, aber…“. Das Gedenken an die Pogromnacht von 1938 und der Kampf gegen den gegenwärtigen Antisemitismus gehören untrennbar mit einander verknüpft!

Wir rufen dazu auf sich im Anschluss an der zentralen Gedenkkundgebung und Demonstration

um 17 Uhr am Mahnmal Levetzowstraße in Berlin-Moabit zu beteiligen. (Aufruf: www.9november.blogsport.eu)

VVN-BdA Köpenick e.V. (Oktober 2019

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25. Oktober 2019: Abschied von Hanna Wichmann im Rathaus Köpenick

Wir nehmen Abschied von unserer Freundin und Kameradin Hanna Wichmann (1933-2019).

Das Gedenken findet am Freitag,
den 25. Oktober 2019, um 17 Uhr im Ratssaal
Rathaus Köpenick, Alt-Köpenick 21 in
12555 Berlin statt.

  • Trauerrede durch den Vereinsvorstand
  • Rede des stellv. Bezirksbürgermeisters Gernot Klemm
  • Musikalische Begleitung von Karsten Troyke

Um persönlich Abschied zu nehmen, wird ein Kondolenzbuch ausliegen.

Denjenigen Mitgliedern der VVN-BdA Köpenick e.V., die eigenständig nicht in der Lage sind, das Rathaus zu erreichen, werden die Taxikosten gegen Vorlage von Belegen erstattet.

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Nachruf: Hanna Wichmann (1933-2019)

Wieder eine Email von Hanna im Postfach. Kann jemand zur Vorstandssitzung gehen? Wer kann bei unserem Infostand beim Fest für Demokratie dabei sein? Hanna Wichmann und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Köpenick e.V. (VVN-BdA) – das gehört seit Jahrzehnten unweigerlich zusammen und ist fast als Synonym zu verstehen.

Anfang 1990 wurde der Bund der Antifaschisten Köpenick mit fast 200 Mitgliedern gegründet Hanna war eine von ihnen. Zwei Jahre später wurde der BdA Köpenick als gemeinnütziger Verein eingetragen. Im Jahr 2006 kamen die Mitglieder des Interessenverbandes ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (IVVdN) dazu. Ob es den Verein im südöstlichen Stadtteil Köpenick ohne Hannas Engagement heute so noch geben würde, kann getrost bezweifelt werden. Als langjährige Geschäftsführerin hat sie die Geschicke der Interessenvertretung der Verfolgten und ihrer Hinterbliebenen geleitet. Keinen Geburtstag der Vereinsmitglieder hat sie in all den Jahren vergessen, und immer rechtzeitig die Geburtstagskarten verschickt. Der Austausch mit den Älteren war ihr stets wichtig. Viele waren im antifaschistischen Widerstand aktiv gewesen, hatten Zuchthäuser und Konzentrationslager überlebt, waren Verfolgung und Krieg entronnen. Jahrelang organisierte Hanna die Verlegung von Stolpersteinen im Stadtteil. Die pensionierte Lehrerin half Schüler*innen bei ihren Recherchen zu den Ermordeten. Hanna erklärte einmal: „Wir wollen bei jedem Stolperstein-Projekt junge Menschen beteiligen, damit in keiner Generation das Gedenken an die Naziopfer erlischt.“ Jedes Jahr finden Stadtrundgänge in der Köpenicker Altstadt zu den Novemberpogromen 1938 statt. Am 23. April gedenkt die VVN-BdA der Befreiung Köpenicks durch Soldaten der Roten Armee.

Krieg und Nachkriegszeit hatte Hanna als junges Mädchen selbst miterlebt, als sie am Berliner Stadtrand aufwuchs. Am 19. Juni 1933 geboren, wuchs sie mit den Fliegeralarmen im Luftkrieg um die Reichshauptstadt auf. Den Rotarmist*innen war sie dankbar für ihren Beitrag, der Nazideutschland in die Knie zwang. Sie wurde in der FDJ aktiv und ließ sich zur Lehrkraft ausbilden. Gemeinsam mit ihren Schüler*innen beschäftigte sie sich im Unterricht oft mit Krieg und Verfolgung.

Untrennbar verbunden ist das Engagement von Hanna und „ihrer“ VVN-BdA mit der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche, die sich im alten Amtsgerichtsgefängnis Köpenick befindet. Akribisch hat Hanna Informationen über die Opfer der nationalsozialistischen Verhaftungswelle gesammelt, die sich im Juni 1933 in Köpenick zu trug und mindestens 23 Todesopfer forderte. Besonders am Herzen lag ihr, das Schicksal von Frauen wie Maria Jankowski und Liddy Kilian in Erinnerung zu behalten und ihr Andenken zu bewahren. Für die Dauerausstellung stand Hanna mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen beratend zur Seite, und so fanden Bilder und Dokumente aus der Sammlung des Vereins Eingang in die Ausstellung. Noch im Juni war sie dabei, als sich Menschen zum jährlichen Gedenken an die „Köpenicker Blutwoche“ an der „Faust“, dem Mahnmal für die Ermordeten, trafen. Ohne den Einsatz von Hanna, ihr Wissen und Engagement gegen das Vergessen, wäre vor allem der jungen Generation, viele Informationen der nationalsozialistischen Verbrechen in Köpenick nicht zugänglich gewesen.

Doch es ging Hanna nicht um einen zahnlosen Antifaschismus. Das Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors hieß für sie auch, sich gegen Neonazismus und rassistisches Gedankengut zu engagieren. Als die NPD, die heute zugunsten der AfD in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, im Jahr 2000 ihre neue Bundeszentrale in Köpenick bezog, erklärte sie kämpferisch: „Wir werden uns nicht alles gefallen lassen.“ Seitdem war sie bei Protesten gegen die Partei immer wieder dabei und sammelte unermüdlich Unterschriften für ein NPD-Verbotsverfahren. Ihre offene, ja geradezu offensive Art brachte sie mit ein paar jungen Antifaschist*innen aus dem Bezirk zusammen. Ohne Berührungsängste ging Hanna auf die Antifas zu, bot ihre Hilfe an, dabei war sie stets offen für deren Diskurse und Aktionen. Immer hat sie die Nähe zu jungen Antifaschisten*innen gesucht, es geschafft eine Verbindung zwischen alten und jungen Mitgliedern aufzubauen, die bis heute besteht. So war die VVN-BdA Köpenick beim alternativen Kontrollverluste-Festival dabei und unterstützte  Demonstrationen des Antifaschistischen Bündnisses Südost.

Hanna vertrat den Verein aber auch beim bezirklichen Bündnis für Demokratie und Toleranz und bei bundesweiten Treffen. Am Herzen lag ihr auch die antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh, für dessen Erhalt sie sich immer wieder einsetzte.  2011 erhielt Hanna von der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick für ihr Engagement den Preis für Zivilcourage. Als zur alljährlichen „Köpenickiade“ in Erinnerung an den „Hauptmann von Köpenick“ Friedrich Wilhelm Voigt, der 1906 die Stadtkasse entwendete, vor ein paar Jahren plötzlich das Wachbataillon der Bundeswehr zu Werbezwecken vor dem Rathaus aufmarschierte, war auch Hanna unter den Gegendemonstrant*innen. In den letzten Jahren konnte Hanna nicht mehr so wie sie wollte. Sie hatte viel zu tun. Sie hatte ihre Kinder, Enkel und ihren Uli. Und sie hatte die VVN-BdA. Kaum ein Tag, an dem nicht eine Email an die kommende Vorstandssitzung oder einen Jahrestag zum Gedenken erinnerte.

Es kommen keine Emails mehr von Hanna. Am 25. August 2019 ist Hanna Wichmann im Alter von 86 Jahren in Berlin verstorben. Ihr Wesen und ihr Engagement bleibt unvergessen. Die Erinnerungen werden wir in ihrem Sinne weitertragen. Hanna wir werden dich vermissen!

Der Vorstand

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21.6.2019: 82. Jahrestag der Köpenicker Blutwoche

Am 21. und 22. Juni vor 82 Jahren begann die Köpenicker Blutwoche. Kurz nach Machtantritt der Nazis fielen SA-Leute über Kommunist*innen, Sozialdemokrat*innen und andere politische Gegner*innen her, verschleppten und misshandelten sie und töteten über 20 von ihnen.

Wir wollen daran erinnern und ein Zeichen setzen gegen Neonazismus und gegen rechte Hetze vo heute und laden herzlich ein zur

Gedenkkundgebung: Freitag 21. Juni 2019 um 17 Uhr auf dem Platz des 23. April (Bahnhofstraße Ecke Lindenstraße)

Am 21. Juni 1933 begann die Köpenicker Blutwoche.

Straßennamen, Gedenktafeln und Gedenksteine in den Köpenicker Ortsteilen erinnern an den großflächigen Terror der Nazis im Juni 1933. Wir bitten alle Mitglieder und Freund*innen dort selbstständig Blumen nieder zu legen:

  • Pohlestraße, Ecke Dorotheenstraße (ehemals SA-Lokal „Demuth“)
  • Wendenschloßstraße 390 (ehemals SA-Wassersportheim)
  • Köpenick Nord, Stelen unter den Birken und am Essenplatz (ehemals SA-Lokal „Seidler“)
  • Friedrichshagen: Tafel Richard Assmann (Assmannstr. 46), Friedhof Grab Karl Pokern, Tafel Müggelseedamm 132
  • Freiheit 14 und Dammbrücke: Tafel am Gemeidehaus der Evangelisch-reformierten Schloßkirche und an der Dammbrücke zur Erinnerung an das mutige Handeln des Pfarrer-Ehepaares Ratsch
  • Oberschöneweide: Waldfriedhof, Griechische Allee
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8. und 9. Mai 2019: Tag der Befreiung

Die Zentrale Kundgebung zum 74. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus findet am Mittwoch, den 8. Mai,2019. 18.00 Uhr an der „Mutter Heimat“ im Sowjetischen Ehrenmal in Treptow statt.

Der Berliner VVN-BdA und Bund der Antifaschisten Treptow laden dazu ein.

Es sprechen: Katalin Gennburg, MdA, Die Linke sowie Vertreter der Botschaften Russlands und von Belarus. Es musiziert das Ensemble Januschka. Denkmal „Mutter Heimat“ im Sowjetischen Ehrenmal in Treptow.

9. Mai – Tag des Sieges über den deutschen Faschismus: Wer nicht feiert, hat verloren! Fest zum 74. Jahrestag des Sieges über das faschistische Deutschland.

9. Mai, 14.00 Uhr – 22.00 Uhr, Am Treptower Park, südlicher Eingang zum Sowjetischen Ehrenmal – Herkomer Straße

Internationale Sing- und Musikgruppe Impuls, Gropiusstadt, Kinderchor Integra e.V., Dresden, Internationales Festival „Weg zum Frieden“, Dresden, Trio Scho? (Russischer Swing), Berlinskie Samovary (Russian Rock’n Roll) und 44 Leningrad (Russian Speedfolk, Punk, Ska)
Sowie Zeitzeugen und Führungen zum Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park.Infostände, Kinderspiele, russische Küche, Grill, Kaffee und Kuchen, Kwas, Bier und Wodka.    

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