Bund der Antifaschisten Köpenick

Erich Lerche

Erich Lerche war ein alter, eingeborener Friedrichshagener. Hier erblickte er am 15. Januar 1909 das Licht der Welt. Das Arbeiterehepaar Lerche hatte noch drei weitere Kinder, die in einer Stube und Küche aufwuchsen.

Erich Lerche ging in die örtliche Schule und wurde bereits als Schüler mit zwölf Jahren Mitglied der Arbeitersportbewegung. Nach Beendigung der Volksschule 1923 – dem Höhepunkt der Inflation – begann er eine Lehre als Bootsbauer, die er 1926 mit guten Ergebnissen abschloß. Eine Hilfe war das aber für ihn nicht. Wie Hunderttausende fand er keine Arbeit – hin und wieder Gelegenheitsarbeit und jahrelange Arbeitslosigkeit, das war das Los dieser Zeit.

Halt in diesen schweren, jungen Jahren gab ihm sein Sport und auch die politische Betätigung. Obwohl er weder Mitglied der KPD oder der SPD war, beteiligte er sich an vielen politischen Kundgebungen und Aktionen der Arbeiterparteien.

Als im Januar 1933 die Hitlerregierung gebildet wurde, ließ sich Erich Lerche in seiner Haltung nicht beirren. Von 1933 bis 1935 nutzte er die Deckung der „Fahrtensegler Müggelsee“, um illegale antifaschistische Arbeit zu leisten. Die Verbindung zu Gruppen und zur Leitung der „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ für Berlin-Brandenburg ermöglichte ihm die Beschaffung und Verteilung von antifaschistischen Flugblättern und Zeitungen. Eines der „Husarenstückchen“ von E. Lerche und anderen Sportlern bestand darin, dass sie die vom Führer der Berliner SA-Gruppenführer Karl Ernst bereits 1933 „avisierte“ Segeljacht benutzten, um an Bord auf dem Müggel- und Seddinsee illegale Zusammenkünfte durchzuführen. Kurzzeitig wurde sogar von Bord ein Sender betrieben.

1934 wurde Erich Lerche mit anderen Sportfreunden zur Roten Spartakiade nach Paris delegiert. Hier erlebte er den Einmarsch auch von deutschen Sportlern und den zehntausendfachen Ruf aus dem Stadion „Rettet Thälmann“.

Erich Lerche konnte auch wieder nach Deutschland zurückkehren. Am 17. Januar 1935 wurde er jedoch verhaftet und im September 1935 vom Berliner Kammergericht zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Polizeiaufsicht verurteilt. Auch im Zuchthaus Luckau ließ sich ein E. Lerche nicht ducken, durch Kassiber und regelmäßige Informationen an andere Gefangene vermittelte er Lebenswillen und Kampfesmut.

Im April 1939 wurde E. Lerche entlassen und kehrte nach Friedrichshagen zurück, wo er sich regelmäßig auf dem Polizeirevier melden musste. Arbeit fand er in der Bootswerft Bernhard Brumme. Seine hervorragende fachliche Arbeit schuf ihm Freiraum – auch für die Fortsetzung seiner antifaschistischen Arbeit. Er schuf Verbindungen zu den hier beschäftigten ausländischen Zwangsarbeitern und versorgte sie regelmäßig mit Informationen. Hier in der kleinen Friedrichshagener Bootswerft wurde eine der letzten „Wunderwaffen“ der Nazis, Sprengboote – kleine mit starken Motoren ausgerüstete und voll mit Sprengstoff gefüllte Boote für den direkten Rammstoß gegen Schiffe – produziert. Lerches Arbeit trug dazu bei, dass so manches Boot ungebaut blieb und so Leben gerettet wurde.

Erich Lerche überlebte die Zeit der Hitler-Diktatur. Vom sowjetischen Stadtkommandanten wurde er 1945 als Stellvertreter des Bürgermeisters in Friedrichshagen, verantwortlich für die Wiederaufnahme der Produktion, eingesetzt.

Vorname: Erich
Nachname: Lerche
geboren: 15. Januar 1909
Beruf: Bootsbauer
Parteien und Organisationen in denen Erich Lerche aktiv war: Arbeitersport

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