Bund der Antifaschisten Köpenick

Nora Leo

Der 8. Mai ist für mich ganz besonders der Tag der Befreiung. An diesem Tag wurde ich von der ständigen Angst befreit, noch in ein Arbeitslager deportiert zu werden.

1944 hatte man einem Bürochef, der mich einstellen wollte, beim Arbeitsamt mitgeteilt, das wäre nicht möglich, da ich demnächst in ein Arbeitslager käme. Da er ein anständiger Mensch war und die Niederlage der Nazi-Wehrmacht bereits absehbar war, informierte er mich davon, wollte mir sogar helfen, mich zu verstecken, wenn ich den Befehl dazu bekommen würde.

Nach der Machtübernahme Hitlers und seiner Schergen hatten für unsere Familie 12 angstvolle und traurige Jahre begonnen.

Mein Vater war zunächst ein Jahr im KZ Börgermoor inhaftiert, baute dann im Rheinland eine Widerstandsgruppe auf und wurde 1938 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Da er jüdischer Herkunft war, wurde er 1943 nach Auschwitz transportiert und dort ermordet.

Ich musste die Oberschule verlassen, schlug mich mit Büroarbeiten durch. Doch jedes Mal kam die Gestapo nach einer Zeit dahinter und informierte die Firma. Man warf mir vor, ich hätte die Verbrechen meines Vaters und meine halbjüdische Abstammung verschwiegen. So wurde ich jedes Mal fristlos entlassen, da die Gestapo das verlangte.

Meine Mutter musste der Gestapo Fotos von mir und meiner Schwester bringen. Sie war in ständiger Angst um uns. Nach der Befreiung ist sie zeitweise seelisch schwer erkrankt.

Der 8. Mai ist also für mich ein ganz besonderer Festtag, der mir erst ein würdiges Leben ermöglicht hat.