Bund der Antifaschisten Köpenick

Hanna Wichmann

Als Randberliner Kind bin ich aufgewachsen mit der Sorge um Essen und Heizung und mit immer häufigerem Fliegeralarm, glücklicherweise ohne Bombenschäden. Flucht, Gefangenschaft, Zuchthaus kannte ich aus der Verwandtschaft. Berliner Trümmer sah ich aus der S-Bahn und konnte mir nicht vorstellen, wie alles wieder aufgebaut werden sollte. Klar wurde mir die Befreiung vom Faschismus erst später in Gesprächen in der FDJ, mit Antifaschisten und Menschen, die sich dem neuen Leben stellten.

Ganz persönlich dankbar war ich den Soldaten der Roten Armee vor allem, als ich an den Bettchen meiner vier Kinder stand und wusste: Die und alle anderen werden nicht mehr im Schlaf durch Fliegeralarm gestört. Leider ist das heute auf der Welt nicht überall so!

Mit meinen Schülern habe ich diese Verse zum 20. Jahrestag der Befreiung eingeübt.

Zum 8. Mai – Tag der Befreiung

Ein Kind 1945 – ein Kind heute

Sirenen haben und wach gemacht, / Bomben fielen fast jede Nacht. / Einmal kamen wir vom Keller hoch, / da war statt der Wohnung ein großes Loch. / Alles zerstört: Radio, Betten und Nähmaschine, / der Kleiderschrank und meine Puppe Christine.

Nach dem Sandmännchen geh’ ich ins Bett / Und schlafe ruhig, bis Mutti mich weckt. / Wir wohnen im Neubaublock / Mit Bad und Balkon im 2. Stock. / Schöne Möbel haben wir auch / Und Spielzeug, soviel man braucht.

Unser Tisch wurde oft mit trockenem Brot gedeckt, / ich wusste auch nicht, wie Schokolade schmeckt. / Zum Heizen fehlten Holz und Kohlen, / Meine Schuhe hatten zerlöcherte Sohlen. / Vati schrieb schon seit einem Monat nicht mehr. / Wenn bloß der Krieg erst zu Ende wär’.

Mutti kommt vom Konsum mit vollen Taschen, / Sie kauft auch für mich was zum Naschen. / Im Kinderladen „Meister Nadelöhr“ / Bekomme ich Jacken, Hosen und anderes mehr. / Vati und viele Menschen arbeiten fleißig / So wird unser Leben noch schöner, das weiß ich.

Heute ist der 8. Mai. / Die Großen sagen: „Nun ist Schießen und Sterben vorbei!“ / Bald packen sie zu mit ganzer Kraft, / so werden die Trümmer weggeschafft.

Nie wieder soll es Trümmer geben! / Ale Menschen wollen in Frieden leben.