Bund der Antifaschisten Köpenick

Johannes Stelling

Das Leben von Johannes Stelling, geboren am 12. Mai 1877 in Hamburg, endete am 12. Juni 1933, geschlagen, gefoltert, erschossen von Köpenicker SA-Leuten in der Köpenicker Blutwoche, Juni 1933! Als Sohn eines Schneiders und einer Köchin nahm er nach dem Besuch der siebenklassigen Volksschule und der Selekta in Hamburg eine Lehre als Handlungsgehilfe auf. Diesen Beruf übte er nur kurze Zeit, etwa fünf/sechs Jahre aus. Der in dieser Zeit erfolgte Eintritt in die Gewerkschaft, die Kontakte zu Jugendfreunden der verschiedensten sozialen Schichten und die kampferfüllte politische Atmosphäre in Hamburg der Jahrhundertwende, trugen wesentlich dazu bei, das politische Interesse und soziale Engagement des jungen Stelling zu entwickeln und zu formen.
1901 zog er nach Lübeck, gleichfalls eine Hanse- und Hafenstadt. Hier wurde er Redakteur des „Lübecker Volksboten“, gründete zu Weihnachten eine Familie, wurde Mitglied der SPD. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurde das Leben und die Arbeit von Stelling durch eine Art „Dreieinigkeit“-Redakteur, Vorsitzender der Gewerkschaft der Handels- und Transportarbeiter Lübecks, Abgeordneter der Bürgerschaft, bestimmt. Sein Eintreten in der Zeitung für die sozialen Interessen der Arbeiter, die Anstrengungen zur Stärkung der Gewerkschaften, die zur Bildung des „Deutschen Transportarbeiter-Verbandes“ 1910 einer der stärksten deutschen Gewerkschaften beitrugen und sein Wirken in der Lübecker Bürgerschaft (1905-1919) für ein demokratisches Wahl- und Verfassungsrecht, waren die Grundlagen für den Einfluss und das Ansehen Stellings bei den Lübecker Werktätigen. Hierdurch zog er sich aber auch den Hass der Herrschenden in der Stadt zu und musste mehrfach mit dem Gefängnis Bekanntschaft machen.
Beim Kriegsausbruch 1914 vermochte J. Stelling nicht über seinen Schatten zu springen. Er verließ die gestern noch in seiner Zeitung vertretene Position des Kampfes gegen den Krieg und vertrat die Burgfriedenspolitik der Führung der SPD. Zugleich veranlassten ihn die Folgen und die Lehren des Krieges, sich in der Novemberrevolution 1918 mit aller Kraft für die Beendigung des Krieges und für revolutionäre demokratische Veränderungen einzusetzen. So wurde er zum Wortführer der SPD, der stärksten Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft. Hier entwickelte er sein Konzept sozialdemokratischer Kommunalpolitik und seine Vorstellungen zu einem demokratischen Wahlrecht und einer demokratischen Verfassung.
Diese aktive Arbeit und seine Wahl in die Weimarer Nationalversammlung 1919 waren der Ausgangspunkt für seine Tätigkeit als Innenminister und Ministerpräsident des in der Revolution geschaffenen neuen Freistaates Mecklenburg-Schwerin in den Jahren 1920 bis 1924. Den Kapp-Putsch 1920 zu verhindern, ihn mit Hilfe seiner Landespolizei und der Reichswehr in Mecklenburg zu beenden, vermochte Stelling nicht. Das mussten die bewaffneten Landarbeiter leisten. Zugleich verbanden sich konkrete Hilfe für Opfer des Kapp-Putsches, die Forderung nach Amnestie für verhaftete und verurteilte Verteidiger der Republik und das Verbot reaktionärer Verbände wie des „Stahlhelms“ u.a. mit dem Namen Stellings.
In den Folgejahren bis zur Errichtung der faschistischen Diktatur 1933 wurde J. Stelling durch seine Tätigkeit als Mitglied und Sekretär des Parteivorstandes der SPD, als Mitglied des Exekutivkomitees der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, als Abgeordneter des Deutschen Reichstages und als führender Funktionär des 1924 gegründeten „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ zu einer der bekanntesten und geachtesten sozialdemokratischen Führerpersönlichkeiten. Durch seinen Wohnsitz in Köpenick, in der Dahlwitzer Straße 36, und seine engen Verbindungen zu den sozialdemokratischen Funktionären und Reichsbannerkameraden, übte er auch auf Köpenicker Probleme großen Einfluss aus.
Diese politische Haltung und Aktivitäten auf allen seinen Arbeitsebenen, insbesondere die Anstrengungen Stellings, die Hintergründe der faschistischen Reichstagsbrandprovokation aufzudecken und die Weltöffentlichkeit aufzurütteln, waren die Ursachen dafür, dass ihn die Schergen des SA-Sturmbannführers Gehrke (Sturmmann 15 der SA-Berlin-Köpenick) mit ihrem Hass verfolgten und im Juni 1933 ermordeten. Am 24. August 1933 wurde die Urne mit den sterblichen Überresten J. Stellings auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt. Am 4. Dezember 1950 wurde seine Grabstätte in die „Gedenkstätte der Sozialisten“ in die Reihe der Gräber von Wilhelm und Karl Liebknecht, Paul Singer, Carl Legien, Theodor Leipart und Franz Künstler eingegliedert.
Vorname: Johannes
Nachname: Stelling
Johannes Stelling
geboren: 12.05.1877
Beruf: Handlungsgehilfe, Reichstagsabgeordneter
Parteien und Organisationen in denen Johannes Stelling aktiv war: SPD, RB

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