Filmvorführung „Wie konnte es dazu kommen? Hindenburg – Hitler und die nationalsozialistische Diktatur“

Save the date: Am 27.11.2026 um 17:30 Uhr zeigen wir den Dokumentarfilm Wie konnte es dazu kommen? Hindenburg – Hitler und die nationalsozialistische Diktatur in der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche, Puchanstr. 12.

Der Drehbuchautor und Produzent Norbert Egger wird anwesend sein.

Zur Person

Paul von Hindenburg galt lange Jahrzehnte als erfolgreicher und genialer Feldherr. Ab dem Sieg bei der sogenannten „Schlacht bei Tannenberg“ im Jahr 1914 wurde er zum deutschen Helden stilisiert. Bezüglich der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten wurde er entweder als derjenige angesehen, welcher Hitler und seine Schergen so lange als möglich verhinderte oder als derjenige, welcher aufgrund seines Alters die Machenschaften nicht mehr durchschaute und damit ebenfalls Opfer war.

Die deutsche und internationale geschichtswissenschaftliche Forschung hat diese Legende bereits seit über 20 Jahren widerlegt. Trotzdem hielt sich das überholte Bild Hindenburgs in weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit.

Der seit vielen Jahren geltende Forschungsstand zur Person ist:

Paul von Hindenburg hatte im 1. Weltkrieg eine zentrale Rolle als Chef der Obersten Heeresleitung. Zugleich wirkte er in entscheidendem Maß bei den Machenschaften um Entlassungen und Rücktritten mehrerer ehemaliger Vorgesetzter und Reichskanzler mit. Er war entscheidend verantwortlich für die Durchsetzung des auch bereits damals gegen geltendes Recht verstoßenden uneingeschränkten U-Bootkrieges sowie das sogenannte Unternehmen „Alberich“, bei welchem unter anderem über 100.000 Zivilist*innen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden.

Hindenburg setzte das den Namen „Hindenburg‐Programm“ tragende Konzept des totalen Krieges auch gegen die eigene Zivilbevölkerung durch, welchem über die gefallenen Soldaten hinaus auch hunderttausende Kinder, Frauen und Männer in Deutschland zum Opfer fielen.

Nach dem ersten Weltkrieg war er ein entscheidender Propagandist der Dolchstoßlüge, gemäß derer das deutsche Heer „im Feld unbesiegt sei“ und der Krieg nur durch die demokratische Revolution verloren gegangen sei. Bereits in seiner ersten Amtszeit als Reichspräsident der Weimarer Republik arbeitete er systematisch an der Zerstörung der parlamentarischen Demokratie.

Im Jahr 1933 übergab er nicht nur die Macht an Hitler, sondern schuf zugleich die Rahmenbedingungen, durch welche die nationalsozialistische Diktatur schnell, umfassend und mit der ganzen Bestalität des Faschismus errichtet werden konnte. Durch gemeinsame Auftritte mit Hitler auf öffentlichen Veranstaltungen sowie dem Wahlaufruf für die NSDAP bei der berühmten Radioansprache vom 11. November 1933 stärkte er das Nazi‐Regime und gab in seinem politischen Testament 1934 seiner Begeisterung für die nationalsozialistische Diktatur Ausdruck:

„Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes‐ und Klassenunterschiede zur inneren Einheit zusammenzuführen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan.“
(Zitat von Paul v. Hindenburg, 1934)

Zum Film

Im nahezu zweistündigen Dokumentarfilm Wie konnte es dazu kommen? Hindenburg, Hitler und die nationalsozialis sche Diktatur kommen führende Historiker ausführlich zu Wort. Neben erschütternden Bild‐ und Filmdokumenten legt Norbert Egger, der Produzent des Films, besonderes Gewicht auf die umfassende Behandlung von Hindenburgs Handeln und Aussagen. Durch die Präsentation einer Vielzahl von Originalquellen und Zeitzeug*innen, beginnend mit Kaiser Wilhelm II., Generälen und Stabsoffizieren aus dem ersten Weltkrieg, Dokumenten von Paul von Hindenburg selbst sowie Verträgen, Zeitungsartikeln und weiteren Veröffentlichungen entsteht ein umfassendes Bild Hindenburgs. Im Film wurden die Historiker Dr. Mathias Irlinger (Dokumentation Obersalzberg), Prof. Dr. Wolfram Pyta (Autor des Buches Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler) und Dr. Wolfgang Niess (Autor des Buches Schicksalsjahr 1925. Als Hindenburg Präsident wurde) interviewt.

Weitere Infos

Artikel Kann das mal weg? von Christian Viefhaus, abgedruckt in der „antifa“ Sept./Okt. (S. 27)

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