23.04.2016 – 71. Jahrestag der Befreiung Köpenicks

15 Uhr Kundgebung am Platz des 23. April

Der 2. Weltkrieg war von Deutschland ausgegangen und forderte Millionen Todesopfer. In den Konzentrationslagern wurden Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zwangsarbeiter*innen, politische Gegener*innen sowie Soldat*innen der Anti-Hitler-Koalition und unzählige andere Menschen ermordet.

Vor 71 Jahren, am 23. April 1945, befreiten Einheiten der 8. Gardearmee und der 1. Gardepanzerarmee W.I.Tschuikows Köpenick von den faschistischen Mordbrennern. Wir danken den Rotarmisten!

Wir danken auch den Köpenickerinnen und Köpenickern, die den allgemeinen Wunsch verwirklichen halfen: „Lieber Trockenbrot essen, aber der verfluchte Krieg soll zu Ende sein.“
Die Pfarrersfrau Alide Ratsch verhinderte die Aufstellung einer Volkssturmkanone auf der Dammbrücke und so den Beschuss der Altstadt. Ähnliches erreichten auch Uhlenhorster Frauen. Karl Henkner, Herr Zoelisch und das Ehepaar Grubitz retteten die Lange Brücke, den Spreetunnel und die Wernsdorfer Schleuse. Der Müggelturmwirt Wichelhaus verteidigte sein Restaurant gegen die SS-Zerstörungswut, der die Bismarckwarte schon zum Opfer gefallen war. Der Arzt, Dr. Stössel, eine Friedrichshagener Krankenschwester, Emil Kirchner aus Oberschöneweide und andere konnten mit weißen Fahnen Kämpfe und Zerstörungen verhindern.

In  Köpenick waren zum Kriegsende von 12500 Häusern 3500 zerstört. Über 100 000 waren zu versorgen. Das erste Friedensbrot – 500 g pro Kopf – wurde aus russischem Mehl gebacken. Wir danken denen, die sich im Auftrag der Sieger für das Überleben der Besiegten sorgten, wie z.B. die vor 1933 demokratisch gewählten Bezirks – bzw. Stadtverordneten Gustav Kleine (KPD) und Max Tolksdorf (SPD).

Nicht alle empfanden damals Dank oder fühlten sich befreit. Gewiss aber diejenigen, die gegen Faschismus und Krieg Widerstand geleistet und die Köpenicker Blutwoche, Konzentrationslager, Verfolgungen, Misshandlungen überstanden hatten, wie die Sozialdemokraten Maria Jankowski, Erwin Mante, Otto Linke von der SAP, die Kommunisten Ernst Oschmann  und Heinz Hentschke, der Arbeitersportler Erich Lerche und der Zentrumspolitiker Dr. Heinrich Krone. Die meisten Köpenicker hatten wie die Mehrheit im „Dritten Reich“ mitgemacht, sich angepasst, geduckt  und resigniert. Schwer wog für viele der Verlust von Angehörigen, von Hab und Gut. Für die Einen war es das Ende, für die Anderen begann die Hoffnung auf einen Neuanfang.

In Erinnerung ist die sofortige Hilfe der sowjetischen Besatzungsmacht bei der Normalisierung des Lebens, ihre Kinderfreundlichkeit, ihr Drängen auf schnellstmöglichen Schulbeginn und kulturelles Leben, aber auch ihre Konsequenz bei der Verfolgung faschistischer Verbrechen.
Allerdings denken wir auch an die Schrecken, Entgleisungen und Willkürakte der ersten Zeit.

Für viele Köpeniker*innen brachte erst ein langer Prozess des Nachdenkens die Erkenntnis, dass das Frühjahr 1945 die Befreiung von einem verbrecherischem System war, das sie 1933 zugelassen und zwölf Jahre geduldet oder gar unterstützt hatten.
In dieser Zeit demokratischen Umdenkens hätte wohl niemand geglaubt, dass die NPD  ihre Zentrale hier in der Seelenbinderstraße errichtet, inmitten antifaschistischen Erinnerns an Werner Seelenbinder, Rudolf Mandrella, das jüdische Ehepaar Zernick und die Opfer der Köpenicker Blutwoche.

Der Ruf von damals „Nie wieder Krieg“ scheint vergessen und mitten in Europa wird versucht, Konflikte mit Waffengewalt zu lösen. Deutsche Rüstungskonzerne verdienen an Kriegsausrüstung – die Bevölkerung leidet Not und Elend. Menschen werden in die Flucht getrieben und traumatisiert. Während viele Leute den Flüchtlingen helfen, eine neue Heimat zu finden, war die Regierung lange hilflos und ist zerstritten  über die Zukunft. Anhänger von AfD und Pegida hetzen gegen die Menschen in Not und fürchten angeblich Islamisierung Deutschlands.

Das können wir nicht hinnehmen!
Gegen rassistische Parolen und Aufmärsche!
Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus!

Kommt am 23. April 2016
um 15 Uhr auf den Platz des 23. April
zur Gedenkkundgebung

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