Bleibt die geballte Faust im Park?

aus dem „Lokalanzeiger“ vom 7. Mai 1992:

Die CDU stellte auf der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) den Antrag, das Monument auf dem Platz des 23. April so umzugestalten, daß es seine „eindeutig kommunistische Symbolik“ verliert. Der Kulturausschuss der BVV dagegen möchte nicht übereilen: Die Mitglieder sind für eine weitere Begrünung des Parkes auf dem Platz.

Freya Ojeda (PDS), Vorsitzende des Ausschusses: „Das Denkmal muß in seiner Form zunächst einmal so erhalten bleiben, bis die Spezialistengruppe im Abgeordnetenhaus ihre Vorschläge eingebracht hat.“

Die Gruppe befaßt sich mit Objekten, die auf einer noch aus DDR-Zeiten stammenden Denkmalliste aufgeführt sind, wie auch das Monument auf dem Platz des 23. April. Dieses Mahnmal für die Opfer der Köpenicker Blutwoche 1933 ist 1966/70 von Walter Sutkowski geschaffen worden.

Eine Entscheidung über sein künftiges Schicksal wir im Herbst dieses Jahres erwartet. Ojeda: „Der Park auf dem Gelände soll auf jeden Fall umgestaltet werden. Durch Begrünung und neue Bäume könnte er seinen alten Stadtparkcharakter zurückbekommen. Bis jetzt erinnert er ja eher an einen Apellplatz.“ Die totale Ausrichtung der Anlage auf das Denkmal solle so gebrochen werden.

Erinnert sei an die Worte des Bezirksbürgermeisters Dr. Ulbricht anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung Köpenicks vom Faschismus am 23. April 1995:

„Solange ich hier Bürgermeister bin, wird dieses Denkmal, der Platz und sein Name erhalten bleiben.“

Der BVV-Sitzung am 12.02.1998 lag ein Antrag der SPD-Fraktion vor für eine Konzeption

„…das auf dem Platz des 23. April stehende Denkmal zur Erinnerung an die Opfer von Gewalt in der deutschen Geschichte in der Zeit von 1933 bis 1989 so umzugestalten, daß sich alle Betroffenen damit geehrt fühlen können. Dabei soll der Platz landschaftsgärtnerisch so verändert werden, daß das neue Denkmal in einer würdigen, aber auch als Stätte der Erholung zu nutzenden Umgebung zu stehen kommt. Dazu sollte u.U. eine optische Verkleinerung und klare Abgrenzung mit gärtnerischen Mitteln zum umgebenden Straßenbereich erfolgen. Bei der Erarbeitung der Denkmals- und Platzkonzeption sollte auf die Befindlichkeiten der Betroffenen gehört werden.“

Hier ein Betroffener, eine 97jähriger, wohl letzter Überlebender der Köpenicker Blutwoche:

„Es ist empörend, was da vorgeschlagen wird. Hat die SPD nichts gelernt? Das ist doch diskriminierend, Opfer der Nazis mit anderen zu vermischen. Es ist doch Verrat an solchen sozialdemokratischen Opfern wie Stelling, Paul von Essen und Aßmann. Familie Stelling kannte ich gut. Schlimm, was sie damals ertragen mußten. Sie haben Berlin verlassen. Das Denkmal soll so bleiben wie es ist. Die Faust ist ein Symbol der Freiheit, auch in anderen Ländern, in Amerika, Afrika.“

Die Bildhauerin Ingeborg Hunziger, auch von Nazi-Verfolgung betroffen, Mitglied der unabhängigen Kommission zum Umgang mit Denkmälern in Ostberlin erklärte in der Bürgeranhörung der BVV von 12.03.1998 noch einmal, daß diese Kommission für den Verbleib des Denkmals entschieden hat, als Denkmal für die Opfer der Köpenicker Blutwoche. Man kann da nichts vermischen. Wenn der Opfer der Gewalt nach 1945 gedacht werden soll, müßte dazu ein anderes Denkmal errichtet werden.

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